Warum wir nicht-rostfreie Stähle verwenden
In der Messer- und Werkzeugherstellung wird oft zwischen rostfreien Edelstählen und klassischen Kohlenstoffstählen gewählt. Wir setzen bewusst auf Kohlenstoffstähle wie C60, Federstahl, 80CrV2, etc. Hier sind die sachlichen Gründe für diese Entscheidung:
1. Gefügestruktur und Schärfe
Rostfreien Stählen wird Chrom (meist über 13 %) zugesetzt, um die Korrosionsbeständigkeit zu erhöhen. Dieses Chrom bildet jedoch grobe Karbide im Stahlgefüge. Kohlenstoffstähle haben eine deutlich feinere Gefügestruktur.
- Der Vorteil: Eine feinere Struktur erlaubt das Schleifen einer deutlich schärferen Schneide, die zudem stabiler bleibt und weniger zum „Ausbrechen“ neigt.
2. Zähigkeit und Belastbarkeit
Bei Werkzeugen, die hohen Schlagbelastungen ausgesetzt sind (Äxte, schwere Spalter, Haumesser etc.), ist die Zähigkeit entscheidend.
- Kohlenstoffstahl: Besitzt eine hohe Elastizität und Bruchfestigkeit. Er fängt Stöße ab, ohne spröde zu reagieren.
- Rostfreier Stahl: Ist bei vergleichbarer Härte oft spröder. Bei Fehlschlägen oder harter Beanspruchung steigt das Risiko von Rissen oder Materialabplatzungen.
3. Nachschärfbarkeit
Im praktischen Einsatz ist die einfache Instandhaltung wichtig. Kohlenstoffstähle lassen sich aufgrund ihrer Materialzusammensetzung auch unter Feldbedingungen mit minimalem Zeitaufwand auf eine hohe Gebrauchsschärfe bringen. Hochlegierte rostfreie Stähle erfordern hierfür meist spezielle Schleifmittel und deutlich mehr Zeit.
4. Oxidationsschutz durch Patina
Nicht-rostfreier Stahl reagiert mit seiner Umwelt. Durch den Gebrauch entsteht eine Patina (eine dunkle Oxidschicht).
- Diese Schicht ist kein Defekt, sondern ein natürlicher Schutzfilm, der die Klinge vor tiefgehender Korrosion schützt.
- Die technische Funktionalität wird dadurch nicht beeinträchtigt, sondern stabilisiert.
Pflegehinweise
Um die Langlebigkeit dieser Werkzeuge zu gewährleisten, sind einfache Maßnahmen erforderlich:
- Trocknung: Nach dem Gebrauch gründlich reinigen und abtrocknen.
- Ölen: Eine dünne Schicht säurefreies Öl (z. B. Ballistol oder Kamelienöl) schützt den Stahl bei längerer Lagerung.
Fazit: Der Verzicht auf Rostfreiheit ist eine bewusste Entscheidung zugunsten der mechanischen Leistung, der Schnitthaltigkeit und der Schneidqualität. Für Werkzeuge, die für den harten Arbeitseinsatz gebaut sind, bleibt Kohlenstoffstahl die technisch überlegene Wahl.
